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Fallpauschalen-Abrechnung im Krankenhaus: Menschen mit geistiger Behinderung? Home  |  Suchen
Quelle: Lebenshilfe Landesverband Bayern e.V. Info-Dienst Verwaltung, Ausgabe 06/2003; S. 4f.

Einführung des Fallpauschalensystems "DRG" in der Krankenhausvergütung - Auswirkungen auf die Behindertenhilfe

Durch die Einführung der sog. diagnosebezogenen Fallpauschalen ("diagnosis related groups" = DRGs) ab 2004, die sich bereits seit Anfang diesen Jahres in der Erprobungsphase in vielen Krankenhäusern befindet, ergeben sich vielfältige Auswirkungen auch auf die Behindertenhilfe.

DRGs bilden die Grundlage eines Vergütungssystems für Krankenhäuser, mit dem alle Behandlungsfälle nach pauschalen Preisen vergütet werden. Die Pauschale orientiert sich am durchschnittlichen Behandlungsaufwand, der vorher festgelegt ist. Ziel des Gesetzgebers bei der Einführung der DRGs ist eine Erhöhung des Wettbewerbs, eine verbesserte Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser v.a. durch kürzere Verweildauer der Patienten, eine Förderung des leistungsorientierten Flusses der Finanzmittel sowie eine bedarfsorientierte Entwicklung von Leistungsstrukturen und -kapazitäten.

Problematisch für den Bereich der Behindertenhilfe ist vor allem, dass behinderte Menschen durch ihren deutlich vom Durchschnitt abweichenden Bedarf auch in der Krankenhausbehandlung im System der DRGs eigentlich nicht abbildbar sind. Dieser Personenkreis müsste vom Abrechnungssystem ausgenommen werden. Bisher ist das aber nicht geschehen, weil der Gesetzgeber eine möglichst ausnahmslose Umsetzung des Fallpauschalensystems anstrebt. Übergangsregelungen können nach jetzigem Stand allenfalls für den Zeitraum bis 2006 zugelassen werden.

Nach Ansicht von Experten, die auf einer Veranstaltung am 27.05.2003 in Kassel über die zukünftige Krankenhausvergütung auf Grundlage der DRGs und die Folgen für die Behindertenhilfe informierten, werden auf die Behindertenhilfe aus jetziger Sicht folgende schwerwiegende Veränderungen zukommen:

Ein ausführlicher Bericht über die Informationsveranstaltung ist in der Anlage 6 (siehe: Der behinderte Patient: Persona non grata im Krankenhaus des 21. Jahrhunderts?) beigefügt.

Auf Bundesebene wird derzeit angestrebt, den Bereich der chronisch Kranken und den Bereich der behinderten Menschen vorläufig von der Anwendung des Fallpauschalensystems auszunehmen. Der Gesetzgeber hat nämlich erkannt, dass diese Bereiche über die Fallpauschalen nicht abbildbar sind und deshalb zumindest für die Zeit bis 2006 prinzipiell Ausnahmeregelungen zugelassen.

Sobald über die Entwicklung neue Erkenntnisse vorliegen, wird der Landesverband zeitnah informieren.
 

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letzte Aktualisierung: 11.8.2003