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Fettstoffwechselstörungen, Cholesterin & Down-Syndrom Home  |  Suchen
Quelle: Leben mit Down-Syndrom, Nr. 37 / Mai 2001

Wolfgang Storm

Welche Bedeutung haben zu hohe Blutfettwerte für Menschen mit Down-Syndrom? In diesem Bericht geht Dr. Wolfgang Storm ein auf die erhöhten Cholesterinwerte, die häufig bei Menschen mit Down-Syndrom gefunden werden und die anscheinend dennoch kein erhöhtes Risiko für spätere koronare Herzerkrankungen sind.

Unter den zahlreichen medizinischen Komplikationen bei Menschen mit Down-Syndrom nehmen Stoffwechselstörungen, die Kohlenhydrate, Fette und Eiweißstoffe betreffen, eine eher untergeordnete Rolle ein. Trotzdem wird in der Literatur immer wieder ein Phänomen erörtert, dessen Befunde widersprüchlich zu Beobachtungen in der Gesamtbevölkerung erscheinen: Obwohl bestimmte Laborparameter aus dem Fettstoffwechsel (Cholesterin oder Triglyceride zum Beispiel) mit erhöhten Werten auffallen oder ein quantitatives Profil aus bestimmten Fraktionen der Fette (niedriges HDL-Cholesterin bzw. erhöhtes LDL-Cholesterin; erniedrigtes Apolipoprotein AI sowie ein vermindertes HDL-Cholesterin: Gesamtcholesterin-Quotient), das normalerweise als Risikokonstellation für die Entstehung arteriosklerotischer Herzerkrankungen angesehen wird, vorliegt, werden derartige Veränderungen bei Menschen mit Down-Syndrom kaum oder gar nicht beobachtet.

Erhöhte Cholesterinwerte
Es ist nicht so, dass z.B. erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridwerte bei allen Menschen mit Down-Syndrom gefunden werden, doch können derartige Befunde mit einer vermehrten Häufigkeit bei dieser Patientengruppe nachgewiesen werden. Dies nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch schon bei Kindern. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen, die zeigen konnten, dass schon intrauterin bei Föten mit Down-Syndrom häufig erhöhte Cholesterinwerte gefunden werden, auch ohne dass im späteren Leben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen vorzuliegen scheint.

Konsequenzen
Zunächst erhebt sich die Frage nach der Notwendigkeit eines allgemeinen Cholesterin- bzw. Triglyceridscreening bei Kindern bzw. Erwachsenen mit Down-Syndrom, insbesondere vor dem Hintergrund des fehlenden erhöhten Risikos für koronare Herzerkrankungen. Aufgrund der geschilderten Beobachtungen erscheint ein derartiges Vorgehen zurzeit wenig sinnvoll. Sollten aus irgendwelchen Gründen doch einmal Cholesterin wie auch andere Fettstoffe im Blut bestimmt werden und sich hierbei erhöhte Werte zeigen, gibt es dann Gründe für eine Therapie dieser Auffälligkeiten?

Grundlage der Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels ist üblicherweise eine Ernährungsmodifikation. Erforderlich ist eine gemischte Kost, die eine altersgemäße Energie- und Nährstoffzufuhr gewährleistet. Dabei soll die durchschnittliche Zufuhr gesättigter Fettsäuren (besonders in Milchprodukten und Fleischwaren) 8 - 10 % der Energiezufuhr nicht überschreiten.

Gesättigte Fette werden durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren und bevorzugt durch einfach ungesättigte Fettsäuren ersetzt. Dabei können die mehrfach ungesättigten bis zu 8 - 10 % der Energiezufuhr einnehmen, diese Fette finden sich vor allem in Keimölen. Die einfach ungesättigten Fettsäuren sind vor allem in Oliven- und Rapsöl vorhanden und können mehr als 10 % der Energiezufuhr abdecken. Erwünscht ist eine hohe Nahrungszufuhr an antioxidanten Vitaminen (Vitamin A, C, E Beta-Karotin).

Ohne eine strenge Diättherapie empfehlen zu wollen bzw. zu müssen, kann die eben erwähnte Ernährungsveränderung aber in wenigstens lockerer Form als normale Grundlage der Ernährung hervorgehoben werden. Dies vor dem Hintergrund eines generell erhöhten Risikos einer Adiposität (Fettleibigkeit) wie auch der aus anderen Gründen empfohlenen vermehrten Zufuhr antioxidativer Substanzen bei Menschen mit Down-Syndrom.

Letztlich ist noch zu erwähnen, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel auch als Symptom einer Unterfunktion der Schilddrüse gewertet werden kann, einer Diagnose, die bei Menschen mit Down-Syndrom vor allem mit zunehmendem Alter deutlich häufiger als in der Gesamtbevölkerung angetroffen wird.

Wodurch der anscheinend vorliegende "Schutzeffekt" für arteriosklerotische Herzerkrankungen bedingt ist, kann zurzeit nur spekuliert werden. Durch die vor kurzem erfolgte Entschlüsselung der genetischen Informationen, unter anderem des Chromosoms 21, lassen sich vielleicht diesem Phänomen in naher Zukunft "Schutzgene" zuordnen. Möglicherweise sind es aber auch psychosoziale Lebensumstände, die hier wirksam sind (was sicherlich von streng naturwissenschaftlich orientierten Personen nicht akzeptiert werden wird).

Dr. med. Wolfgang Storm
St. Vincent-Krankenhaus
Kinderklinik
Husener Straße 81
33098 Paderborn

Dieser Artikel erschien in Nr. 1, 2001 der Zeitschrift Zusammen.
 


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letzte Aktualisierung: 13.9.2003