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Down-Syndrom vor 2500 Jahren Home  |  Suchen
Quelle: Leben mit Down-Syndrom Nr. 45, Jan. 2004; S. 33

Weltweit ältester Nachweis von Down-Syndrom bei einem 2500 Jahre alten Skelett diagnostiziert

Tübinger Forscher haben die bislang älteste bekannte Person mit Down-Syndrom ausgemacht. Alfred Czarnetzki und seine Kollegen Nikolaus Blin und Garsten Pusch untersuchten 7063 Skelettreste aus ganz Europa, die aus der Zeit von 3200 vor bis 800 nach Christus stammen. Weil Grabstätten ein Spiegel ihrer Gesellschaft seien und Down-Syndrom bei allen Rassen und in allen Schichten vorkomme, betrachten die Forscher ihre Stichprobe als für die damalige Zeit repräsentativ. Die Humanbiologen stießen dabei auf nur einen Fall von Down-Syndrom - die etwa 2550 Jahre alten Knochen einer achtzehn- bis zwanzigjährigen Frau aus dem heutigen Tauberbischofsheim, deren Skelett die typischen Veränderungen von Trisomie 21 aufwies. Dabei fielen besonders ein flacher Gesichtsschädel, eine starke Abrundung des Gehirnschädels, ein verzögertes Schließen von Wachstumsfugen und eine Steilstellung des Beckens auf. Damit gelang den Forschern weltweit der bisher älteste Nachweis der Chromosomenveränderung.

Häufigkeit im alten Europa geringer?

Vor 2500 Jahren wurden die Frauen nicht sehr alt, so dass sie vermutlich früher Nachwuchs bekamen. Die von den Wissenschaftlern gefundene Häufigkeit der Behinderung zu dieser Zeit liegt mit gut 0,01 Prozent deutlich unter der theoretisch zu erwartenden. Heute liegt nämlich die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Trisomie 21 zu bekommen, bei sehr jungen Müttern bei etwa 0,06 Prozent.

Das geringe Vorkommen der Störung könnte die gängige Theorie in Frage stellen, dass ausschließlich das Alter der Mutter das Trisomie-Risiko des Kindes bestimmt. Nun sprechen die Forscher die Vermutung aus, dass auch Umweltfaktoren, wie Rauchen und die Einnahme von Verhütungsmitteln, eine Rolle bei dieser Chromosomenveränderung spielen könnten.

Quelle: The Lancet, Vol 362. September 20, 2003

(Anmerkung der Redaktion "Leben mit Down-Syndrom" zu dieser Schlussfolgerung: Es gibt keine glaubwürdige Studie, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Down-Syndrom nachweist. Das Gleiche gilt für die Pille.)
 
sh. vertiefend auch: Alexander Mayer (2001). Eine Geschichte der Behinderten, Jubiläums-Dokumentation 40 Jahre Lebenshilfe Fürth. Lebenshilfe Fürth: Eigenverlag. S. 6-27
 

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letzte Aktualisierung: 30.5.2004