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St. Josefs-Stift Eisingen: Blutanalysen im Zwielicht zurück zur StartseiteHome
Quelle: Main-Post, Freitag, 9.11. 2000, S. 2, Kommentar

Human steht vor der Genetik

VON GERLINDE HARTEL

Fremdnützige Forschung mit Menschen, die nicht einwilligen können, ist verboten in Deutschland. Nicht
einmal ein amtlich bestellter Betreuer könnte grünes Licht geben - beispielsweise für eine Blutentnahme zu
Forschungszwecken. Dazu bräuchte man noch die Zustimmung eines Vormundschaftsgerichtes.

Darüber scheinen sich Wissenschaftler des Instituts für Humangenetik der Universität Würzburg nicht
immer klar gewesen sein. 1997 wollten sie offenkundig mit Blutproben von Behinderten aus einem
schwäbischen Heim forschen. Ihre Anfrage brachte ihnen eine Abfuhr ein.

Dafür fragten sie die Eltern in Eisingen gar nicht um Erlaubnis. Sie verließen sich ganz auf den Ärztlichen
Dienst des Heims.

Bei allem Respekt vor den Wissenschaftlern: Sie brauchen sich jetzt nicht zu wundern, wenn man ihnen
unterstellt, sie hätten hier den langwierigen Weg zur Genehmigung umgangen. Da hilft es wenig, dass sie
beteuern, dem Wohl der Behinderten verpflichtet zu sein. Wenn sich nun einer gar als "humangenetischer
Dr. Frankenstein" ins Rampenlicht gerückt fühlt, wird er wissen, warum.

Den Behinderten ist kein körperlicher Schaden entstanden. Doch das Verbot der Forschung an
Menschen, die nicht überblicken können, was mit ihnen geschieht, gilt auch für renommierte
Wissenschaftler.

Würzburgs Humangenetiker erweisen sich einen Bärendienst. Das gilt selbst dann, wenn die
Staatsanwaltschaft nicht weiter ermittelt. Wissenschaftliches Handeln hat neben der rechtlichen eine
ethische Dimension. Das "Human" vor dem Genetiker sollte besonders verpflichten.

Bei Diskussionen darüber haben die Humangenetiker der Uni zuletzt durch Abwesenheit geglänzt.
Überdies scheinen ihnen angesichts der Widersprüchlichkeiten in ihren Erklärungen selbst die Worte
auszugehen, weil mittlerweile eine Anwaltskanzlei ihre Interessen wahrnimmt: Kritiker sollen wohl zum
Schweigen gebracht werden. Eine abschreckende Maßnahme - keine, die Vertrauen weckt.
 


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letzte Aktualisierung: 12.11.2000
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