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Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V.

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Quelle: Kreiszeitung Böblinger Bote, 16.8.2002

Möglichst wenig Extrawürste braten

Insgesamt elf behinderte Kinder machen dieses Jahr im evangelischen Waldheim Tannenberg am Rande Böblingens Ferien. Auf zwei Wochen und sechs Gruppen verteilt, werden sie in den üblichen Ablauf integriert. Das neue Projekt stößt bei Mitarbeitern, Eltern und Kindern durchweg auf positive Resonanz.

Extrawürste braten wir für die behinderten Kinder möglichst wenige, sagt Wiebke Holz, Betreuerin einer Integrationsgruppe. Vanessa, acht Jahre, singt wie die anderen begeistert bei Die Affen rasen durch den Wald mit. Die zehnjährige Corinna hält währenddessen ihr Stockbrot über das Feuer. Dass sie Down-Syndrom hat, darum wird hier kein großes Aufheben gemacht. Die beiden machen alles mit, sie brauchen nur mehr Hilfe, sagt Holz.

Einzelne behinderte Kinder gab es im Waldheim schon immer, erinnert sich Elke Kopp vom Leitungsteam. Die liefen einfach mit und eine Teilnehmerin im Rollstuhl war später selbst als Betreuerin mit dabei, berichtet die angehende Grund- und Hauptschullehrerin, die bei der Diakonie in Stetten Erfahrung in der Arbeit mit Behinderten gesammelt hat. So entstand schon in den letzten Jahren die Idee, in größerem Umfang behinderte Kinder aufzunehmen. Nach speziellen Schulungen, vielen Absprachen und zahlreichen Vorbereitungstreffen konnten diesen Sommer zum ersten Mal sechs integrative Gruppen mit behinderten und nicht behinderten Kindern angeboten werden.

Ein Mehraufwand ist das ganz sicher, erklärt Götz Kanzleiter, Landesjugendreferent für Integrationsprojekte beim Evangelischen Jugendwerk. Es muss an vieles gedacht werden. Etwa, dass ein Duschstuhl, eine Wickelauflage und Windeln da sind. Dass die Mitarbeiter bereit sind, auch einmal einen Popo abzuputzen, so Kanzleiter, und über die besonderen Bedürfnisse ihrer Schützlinge Bescheid wissen.

Man muss einfach ein bisschen mehr planen, ergänzt Kopp. Die Gruppenräume etwa so einteilen, dass ein Rollstuhlfahrer ohne Treppe zum Klo kommt und darauf achten, dass die Schnitzeljagd dann eben nicht querfeldein geht. Aber das muss man sich ja auch bei nicht behinderten Kindern überlegen, wo ihre Grenzen sind, ergänzt Kopp. Auch finanziell sind die Integrationsgruppen aufwändiger, weil mit kleineren Gruppen gearbeitet wird und dadurch mehr Betreuer gebraucht werden.

Möglich wurde dieser Mehraufwand dadurch, dass viele verschiedene Einrichtungen und Einzelpersonen Finanzen, Know-how, Zeit und Energie zusammenlegten. Beteiligt waren neben den Waldheimmitarbeitern und dem Evangelischen Jugendwerk auch das Projekt JES (Jugendliche engagieren sich), Studierende an der Fachhochschule für Sozialwesen in Esslingen und die Lebenshilfe.

Das war für die Eltern der behinderten Kinder ganz wichtig, dass Andrea Haab von der Lebenshilfe schon vorher Kontakt aufnahm und die Familien besuchte, sagt Kopp, die von den Eltern bisher durchweg positive Resonanz bekommen hat. Wir hören eigentlich nur, dass die Kinder gerne hier sind, auf ihre Eltern einen glücklichen Eindruck machen und viel vom Waldheim erzählen, berichtet sie.

Überrascht hat sie, dass auch Eltern anderer Kinder auf sie zukommen und es toll finden, dass ihre Kinder hier mit behinderten Kindern zusammen- kommen - viele davon zum ersten Mal. Kleinere Kinder haben da einen ganz natürlichen Umgang, erzählt sie. Die haben teilweise erst gegen Ende der Woche mal nachgefragt, warum ein Kind manche Sachen nicht kann. Ältere Kinder fragen da laut Kopp schon konkreter nach.

Positiv äußern sich auch die Betreuerinnen der integrativen Gruppen. Es ist zwar anstrengender, sagt Wiebke Holz, aber auch sehr, sehr schön, weil von den Kindern so viel Liebe zurückkommt.

© Kreiszeitung Böblinger Bote
 


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letzte Aktualisierung: 19.8.2002
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