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Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V.

Leserbrief GEO, Heft März 2001 Home  |  Suchen
"Mongoloides GEO"?

Liebe GEO-Redaktion,
in Ihrer Märzausgabe von Geo ist ein Artikel abgedruckt zum Thema "Tiere als Therapeuten". Auf Seite 104 findet sich ein Foto untertitelt: "Heim"Arbeiter fürs liebe Tier - der mongoloide Heinrich Sträter".

Wenn Geo als Magazin wissenschaftlich und fundiert auftreten möchte, sollte es besser recherchieren und sich informieren, anstatt verpönte und überholte Fachtermini wie "mongoloid" zu publizieren.

Woher stammt der Begriff "Mongolismus"?
Der Begriff "Mongolismus" geht zurück auf den britischen Arzt John Langdon Haydon Langdon-Down (1828-1896). J.L.H. Langdon-Down war medizinischer Leiter eines Heimes für geistig Behinderte, das „Asylum for Idiots at Earlswood in Surrey“. Ihm war aufgefallen, dass manche Patienten von ihm Ähnlichkeit mit anderen Menschenrassen aufwiesen. Er unterteilte deshalb 1866 in seiner wohl bekanntesten Publikation "Observations on an ethnic classification of idiots" (London Hospital Clinical Lecture Reports, 3, 259-262) geistig Behinderte in die "kaukasische Familie“, in die „Äthiopische“ und „Malaische Varietät“, in „das Volk, das ... ursprünglich den Amerikanischen Kontinent bewohnte“ und in die „große Mongolische Familie“, die er sehr ausführlich beschrieb.

Diese seine ethnische Klassifikation ging zurück auf die einhundert Jahre ältere Rassenlehre (1775) des Göttinger Anatoms Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), der die Menschheit in eben diese - willkürlichen - Rassen unterschied. Die Blumenbach´sche Rassseneinteilung allerdings trug klar rassistische Züge – im Gegensatz zu der Langdon-Down´schen rein deskriptiv klassifizierenden Verwendung. Blumenbach betrachtete seine eigene, die kaukasische Rasse als die Rasse, die die angeblich schönsten Menschen in sich vereine und als Stammrasse anzusehen sei.

In den folgenden Jahrzehnten wurde oftmals auf die L. Down´sche Bezeichnung „mongoloid idiocy“ zurückgegriffen. Dabei wurden die L. Down´schen Ausführungen später teilweise stark missbraucht: Down-Syndrom wurde als Atavismus, als Rückfall in einen Grenzbereich zwischen tierischer und menschlicher Existenz, entsprechend einer angenommenen Minderwertigkeit der sog. Mongolischen Rasse angesehen.

Warum nicht mehr von Mongolismus“ sprechen?
"Mongolismus" ist eine rassistische Verunglimpfung der Mongolen. Mongolismus wurde (und wird) in rassistischem Kontext gebraucht; mehrfach haben sich Vertreter der Mongolischen Volksrepublik gegen die Verwendung des Begriffs "Mongolismus" gewandt;

"Mongolismus" ist zugleich eine Verunglimpfung der Menschen mit Down-Syndrom durch die Gleichsetzung mit „Mongoloidem Schwachsinn“ bzw. durch Gleichsetzung von Menschen mit Down-Syndrom mit angeblich minderwertigen, nicht voll Mensch gewordenen Wesen;

Bereits 1961 veröffentlichten 19 Unterzeichner in einem Artikel in „The Lancet“ die Aufforderung, den Begriff „Mongolismus“ nicht mehr zu verwenden; Erst 1965, als sich die mongolische Delegation bei der 18. Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen den auch vom damaligen WHO-Präsidenten benutzten Begriff „Mongolismus“ gewandt hatte, wurde er in den Veröffentlichungen gemieden.
"Der Name unsere Rasse soll nicht mehr in Verbindung mit dieser Behinderung benutzt werden". Der Antrag wurde einstimmig von allen Mitgliedsländern - dabei auch Deutschland - angenommen.

Im Jahre 1969 wies Batchelor darauf hin, dass die Ähnlichkeit sogenannter "Mongoloider" mit ethnischen Mongolen oberflächlich sei und dass die "Physiognomie des Mongoloiden auch dann erkannt werden könne, wenn das Individuum der Rasse nach Mongole sei", wie es auch zuvor von den 19 Unterzeichnern des Briefes von 1961 (s.o.) festgestellt worden war.

Somit ist es in keiner Weise mehr gerechtfertigt, weiter an dem Ausdruck "Mongolismus" festzuhalten.

Verwenden Sie freundlicherweise zukünftig die Fachtermini Trisomie 21 oder Down-Syndrom.

Vermeiden Sie bitte auch den immer noch verwendeten Terminus "Morbus Down", denn Menschen mit Down-Syndrom sind nicht krank, sondern sind Träger von verändertem Erbgut. Frau Prof. Sabine Stengel-Rutkowski (Professorin für Medizinische Genetik, Universität München) schreibt dazu: "Angeborene Genveränderungen sind nicht heilbar. Es geht hier nicht um Krankheiten, sondern um unterschiedliche Genprogramme, mit denen man geboren werden kann. Sie sind für die Menschen, die sie tragen, normal, auch wenn sie mehr oder weniger selten sind. Wir diagnostizieren weder Defekte noch Störungsbilder, sondern unterschiedliche genetische Normalitäten." (Mitteilungen, Arbeitskreis Down-Syndrom e.V., Vol. 36, Heft 1, März 2001, Seite 9).

Mit der Vermeidung von verzerrenden Begrifflichkeiten wie "Mongoloismus" und "Morbus Down" tragen Sie dazu bei, dass in der Öffentlichkeit ein unverzerrter und offenerer Blick auf unsere Kinder und auf Menschen mit Down-Syndrom möglich wird. Dafür wären wir Ihnen sehr dankbar.

Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V., Würzburg
Spessartstr. 57
97082 Würzburg
http://www.trisomie21.de
info@trisomie21.de



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letzte Aktualisierung: 28.11.2001
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