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Integrativer Kindergarten e.V.

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Mit Schreiben vom 15.7.99 (Aktenzeichen 600 A 6514.00 - 8/99) wurden diese Leitfragen von der Regierung von Unterfranken an alle Landratsämter und kreisfreien Städte mit der Bitte um Weiterleitung an alle Kindergärten im Zuständigkeitsbereich versandt.
 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Diakonisches Werk Bayern (Fachberatung Unterfranken), Arbeiterwohlfahrt (Bezirksverband Unterfranken), Caritasverband für die Diözese Würzburg (Ref. Kath. Kinder- und Tageseinrichtungen), Regierung von Unterfranken (Kindergartenfachberatung)
 
 

Sehr geehrter Träger,
sehr geehrte Leiterin,

im Interesse einer gelingenden lntegration sollte die Beantwortung dieser Leitfragen vor jeder Aufnahme eines behinderten Kindes in den Regelkindergarten erfolgen. Während der Integrationsmaßnahme ist eine regelmäßige Reflexion der pädagogischen Arbeit unerläßlich.

Für weitergehende Hilfen im Zusammenhang mit der lntegration einzelner Kinder mit Behinderungen in Ihrem Kindergarten stehen Ihnen die Fachberaterlnnen der Verbände und der Regierung zur Verfügung.

Würzburg, 22.06.1999

Arbeitskreis der Fachberater für Kindergärten
 
 
 

Ein Kindergarten für alle Kinder
Leitfragen für Kindergärten, die einzelne Kinder mit Behinderungen aufnehmen wollen

Das Bayer. Kindergartengesetz bestimmt in Artikel 9, daß der Kindergarten eine Einrichtung für Kinder vom 3. Lebensjahr an bis zum Beginn der Schulpflicht ist. Der Kindergarten ist also ohne Unterschied offen für alle Kinder, auch für solche, die körper-, sprach oder geistigbehindert als auch hör- bzw. sehgeschädigt, taub oder blind sind. Damit der Kindergarten seinem Auftrag (Art. 7 BayKiG in Verbindung mit der 4. Durchführungsverordnung), aIlen Kindem beste Entwicklungs- und Bildungschancen zu vermitteln, nachkommen kann, erfordert die Aufnahme von Kindern mit Behinderungen von allen Beteiligten (Träger, Personal und Eltem) eine sensible und verantwortungsvolle Prüfung der lntegrationsfähigkeit und Integrationsmöglichkeiten des Kindergartens.

Die Handreichung soll lhnen die Entscheidungsfindung erleichtem.
 
 

Pädagogisches Konzept

Welche Motive bewegen mich als Träger und uns im Team, ein behindertes Kind aufzunehmen? Welches Menschenbild ist für uns handlungsleitend? Haben wir uns mit den Themen "Würde", "Einmaligkeit" und "Individualität des (behinderten) Menschen", "(Mit-) Leid" und "Ausgrenzung" etc. intensiv auseinandergesetzt?

Welche Hoffnungen, Fragen, Ängste und Widerstände haben wir im Hinblick auf die Betreuung eines behinderten Kindes?

Wieviel Zeit und Energie sind wir bereit aufzuwenden für Fachliteratur, Fortbildung und/oder Supervision?

Welche Erwartungen, Wünsche und Ängste verbinden die Eltern mit der Aufnahme ihres behinderten Kindes in den Kindergarten?

Was wissen wir von dem behinderten Kind,

Was wissen wir über den notwendigen medizinischen und pflegerischen Aufwand?

Welchen Stellenwert messen wir im Aufnahmeverfahren den Erfahrungen und Meinungen von Therapeuten, Frühförderern, Ärzten sowie Eltern des Kindes bei?

Wie berücksichtigt unsere pädagogische Konzeption die Betreuung, Erziehung, Förderung und Bildung des behinderten Kindes und der nichtbehinderten Kinder? Ist eventuell eine Reduzierung der Gruppengröße notwendig?

Können wir für das behinderte Kind eine handlungs- und alltagsorientierte Förderung garantieren?

Ist unser Kindergarten und der Gruppenraum so gestaltet, daß das behinderte Kind sich zurechtfindet und wohl fühlen kann? Berücksichtigt die Raumgestaltung das besondere Ruhe- und Rückzugsbedürfnis des behinderten Kindes, sind Anzahl und Auswahl der Materialien angemessen?

Kooperation und Vernetzung

Wo können wir uns bzgl. der behinderungsspezifischen Förderung Hilfe holen (vergleiche "Soziale Hilfen in Unterfranken")? Kennen wir unsere Ansprechpartner in den Förderschulen, Sondertagesstätten und Fachdiensten? Haben wir eine Adressenliste entsprechender Fachverbände und Selbsthilfegruppen?

Welche Formen der Vernetzung, Kooperation und Gemeinwesenarbeit können helfen, die Gleichberechtigung und das Benachteiligungsverbot für behinderte Kinder und deren Familien zu verwirklichen?

Welchen Einfluß hat Einzelintegration generell auf unsere Zusammenarbeit mit den Kindergarteneltern?

Organisation und Finanzierung

Kennen wir die organisatorischen Voraussetzungen für die Förderung der Einzelintegration durch den Bezirk? Wissen wir, an wen wir uns bei diesbezüglichen Problemen wenden können? Wer übernimmt die verwaltungstechnischen Arbeiten im Verfahren der Förderung, wer zeichnet für den reibungslosen Ablauf verantwortlich?

Sind die Finanzierungsmodalitäten geklärt?

Gibt es eine Stellenbeschreibung für die über den Bezirk geförderte zusätzlich eingestellte Kraft (Zuständigkeit, Kompetenz, Verantwortung, Informationssystem)?

Wie lassen sich Integrations- und Fördermaßnahmen in den Alltag einbinden?

Gibt es einen interdiziplinär abgestimmten Förderplan?


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letzte Aktualisierung: 16.12.2001
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