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Quelle: Süddeutsche Zeitung, 26.10.2001

Auf dem klösterlichen Gut Biberkor bei Starnberg

Das erste Montessori-Gymnasium in Bayern
Initiatoren wollen in den nächsten Tagen den Antrag auf Genehmigung beim Kultusministerium einreichen.

Von Sabine Bader

Berg - In der Gemeinde Berg am Starnberger See ist ein bayernweit einmaliges reformpädagogisches Projekt geplant: Auf Gut Biberkor soll die erste Montessori-Schule entstehen, in der rund 300 Kinder und Jugendliche vom Grundschulalter bis hin zum Abitur unterrichtet werden. Der neu gegründete Verein "Montessori Biberkor" wird die Zulassung des Privatgymnasiums in den nächsten Tagen beim bayerischen Kultusministerium beantragen,

Initiator des Ganzen ist der Geschäftsmann Werner Gmell, der das ehemalige Schwesternerholungsheim Biberkor 1995 gekauft hat und seitdem nach einer geeigneten Nutzung für die Gebäude sucht. Gmells Entscheidung für das Montessori-Projekt kommt nicht von ungefähr. Seit 25 Jahren unterstützt der 57-Jährige, selbst Vater einer behinderten Tochter, diese Art der Reformpädagogik. So war er maßgeblich am Ausbau der Starnberger Montessorischule beteiligt und ist Mitinitiator mehrerer Behinderteneinrichtungen in München und Umgebung - wie dem "Erdkinderprojekt" in Eberharting bei Mühldorf.

In Gut Biberkor, so die Intention Gmells, sollen behinderte und hochbegabte Kinder und Jugendliche gleichermaßen gefördert werden. "Die Organisation des Unterrichts muss Möglichkeiten bieten, verschieden lernen zu dürfen", sagte er. Bereits von November an, so ist es zumindest geplant, werden in Biberkor Gymnasiallehrer in Montessori-Pädagogik ausgebildet. Die neue Schule soll dann im September 2001 eröffnet werden; ein Internat für bis zu 40 Schüler ist ebenfalls vorgesehen. Nach dem bisherigen Konzept werden für die Grund- und Hauptschule (120 bis 150 Schüler) zehn Lehrkräfte benötigt; für die Gymnasialklassen (150 bis 180 Schüler) sind zwölf Lehrer vorgesehen.

Nach Gmells Auskunft wird die pädagogische Arbeit von den beiden Pädagogik-Professoren Herbert Tschamler und Professor Reinhold Mühlbauer der Ludwigs-Maximilians-Universität wissenschaftlich begleitet. Auch die Universitäten Eichstätt, Weihenstephan und Wien hätten bereits ihr Interesse an einer Mitarbeit bekundet.

Ein weiteres Vorhaben auf Biberkor ist auch eine Montessori-Akademie: Sie soll im Frühjahr 2001 in den Gutsräumen ihren Betrieb aufnehmen - mit Ferienaufenthalten für Schulklassen und Werkwochen. Das Ziel dieser Studienwochen liegt vorwiegend im praktischen Bereich. Fachleute aus Handwerk, Wissenschaft und Kunst werden zu ausgewählten Themen praktische Anleitungen geben und so versuchen, das Interesse der Kinder zu wecken. Auch prominente Fürsprecher scheint das Schulprojekt schon gefunden zu haben: Laut Gmell ist die Familie von Bayern aus dem Hause Wittelsbach bereit, das Patronat für das Vorhaben zu übernehmen.

Überhaupt ist der Geschäftsmann, der in München ein großes Wohnungsbauuntemehmen führt, zuversichtlich, dass das Kultusministerium dem Vorhaben zustimmen wird. " Quer durch die Parteien des bayerischen Landtags wurde uns Unterstützung zugesichert", sagte er. Mit Vertretern der CSU-Fraktion haben nach Informationen der SZ bereits Gespräche mit einem positiven Ergebnis stattgefunden. Für die Genehmigung der Schule seien keine Änderungen des Schulgesetzes nötig, hieß es. Die Pläne würden mit großer Sympathie verfolgt.

Von Seiten der Gemeinde Berg erhofft sich Gmell, der in den vergangenen Jahren mit einigen seiner Ideen auf wenig Gegenliebe traf, nun Mithilfe. Zumal nach seinen Angaben keine größeren Um- und Ausbauten erforderlich sein werden. Lediglich im Inneren der Gebäude seien bauliche Veränderungen geplant.

Gut Biberkor liegt auf einer Anhöhe zwischen den Berger Ortschaften Aufkirchen und Höhenrain. Im Jahre 1080 wurde es unter dem Namen "Piberchar" erstmals im "Cartular" das Klosters Ebersberg erwähnt. Unter den weiteren Eigentümern waren neben den Grafen von Hörwarth und Rambaldi auch die Klöster Tegernsee, Scheyern und Andechs. 1961 erwarb der von Pater Rupert Mayer gegründete Orden "Schwestern von der Heiligen Familie" das Anwesen. Bis 1965 betrieben die Schwestern dort Landwirtschaft und Tierzucht, ein Alten- und Erholungsheim sowie ein Exerzitienhaus.


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letzte Aktualisierung: 28.1.2002
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