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Prävention sexueller Gewalt: Projekt Wildwasser - Christophorus-Schule Würzburg Home  |  Suchen
Quelle: Main-Post, 18.07.2003

Von blöden Gefühlen und schlechten Geheimnissen

Würzburg (sv) Es gibt schöne Gefühle und blöde, gute Geheimnisse und schlechte. Wer das eine vom anderen nicht unterscheiden kann, läuft Gefahr Opfer sexuellen Mißbrauchs zu werden, sagt Wildwasser Würzburg, der Verein gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Frauen. Kindern fällt die Unterscheidung oft nicht leicht. Noch schwerer ist es für geistigbehinderte Kinder.

"Geistigbehinderte leben häufig in Abhängigkeiten, sind wehrloser und haben nur selten eine Vorstellung von eigenen körperlichen Grenzen, da viele aufgrund ihrer Behinderung Hilfe brauchen und schon von daher öfter angefasst werden", so Susanne Kaiser von Wildwasser Würzburg.

Da Mädchen und Jungen mit geistiger Behinderung in der Regel weder die Möglichkeit haben, sich selbstständig mit dem Thema sexuelle Gewalt auseinander zu setzen, noch von sich Beratungsstellen aufzusuchen, starteten Wildwasser-Mitarbeiter im Herbst 2002 an der Christophorus-Schule das Präventionsprojekt "Ich-bin-ich".

Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Sonderpädagogik Würzburg, informierten Wildwasser-Mitarbeiterinnen Lehrer wie Eltern über das Thema und sensibilisierten sie hinsichtlich Anzeichen eines Missbrauchs. Vor allem aber arbeiteten sie mit den Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren, zeigten ihnen, wie sie eigene Grenzen wahrnehmen und vertreten können, machten ihnen Mut, sich zu wehren und Hilfe zu holen.

Dabei wurde bewußt eine Trennung nicht nur in Alters- sondern auch geschlechtsspezifische Gruppen gewählt. Die zwei Jungengruppen leitete Peter Heinrich, Dozent (Bereich Geistigbehindertenpädagogik), gemeinsam mit männlichen Studenten. Die drei Mädchengruppen wurden von Wildwasser-Mitarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit weiblichen Studenten betreut - jeweils in Begleitung einer Mitarbeiterin der Christophorus-Schule.

Eine gute Entscheidung: "Die Kinder waren in ihren Fragen unbefangener", sagt Kaiser. Und während es bei den Mädchen vor allem darum ging, sich selbst, die eigenen Gefühle wahrnehmen und auch Nein-sagen, also um ein gesundes Selbstbewußtsein ging, stand bei den Jungs die Selbstachtung aber auch die Achtung anderer im Mittelpunkt. Oder wie Heinrich es formuliert: "Wie geht es mir damit? Wie fühlt sich der andere?"

Gearbeitet wurde viel mit nonverbaler Kommunikation und Bildern. Heinrich griff zudem auf den Film "Ronja Räubertochter" zurück, denn "der Film steckt voller Emotionen wie Ekel, Wut, Angst, Verzweiflung und Trauer, die die Kinder auch gut benennen können".

Das Projekt war ein Erfolg für alle, sagen die Beteiligten. Dennoch wird es nicht verlängert. Es fehlt das Geld. Der intensive Einsatz in der Christophorus-Schule war nur möglich, weil Wildwasser eine großzügige Spende von "Antenne Bayern hilft" bekommen hatte. Doch wird Wildwasser im Herbst ein neues Präventionsprojekt starten, mit erwachsenen behinderten Frauen der Mainfränkischen Werkstätten, finanziert aus einem Finanztopf anlässlich des Europäischen Jahres für Menschen mit Behinderung.




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letzte Aktualisierung: 28.7.2003
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