Logo_klein
Menschen mit Down-Syndrom, Eltern & Freunde e.V.

Offener Brief der Bundesvereinigung Lebenshilfe zu Hr. Watson Home  |  Suchen
Offener Brief der Lebenshilfe (Bundesvereinigung)

Unmenschliche Worte eines Nobelpreisträgers

Offener Brief der Lebenshilfe zum Interview mit James D. Watson im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 1. Juni 2001
(sh. /weltwoche_watson.html)
 

Sehr geehrter Herr Watson,

Ihre Äußerungen über Menschen mit Behinderungen im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 1. Juni 2001 sind eines Nobelpreisträgers unwürdig. Sie zeigen, dass herausragende naturwissenschaftliche Leistungen nicht dazu befähigen, ethisch begründete Wertentscheidungen zu treffen.

Sie sprechen ungeborenen behinderten Menschen mit Down-Syndrom das Lebensrecht ab und ihren Müttern die Fähigkeit, ihr behindertes Kind zu lieben. Wir fragen Sie: Sind Sie auf der Basis anerkannter wissenschaftlicher Methoden zu diesen Erkenntnissen gelangt oder predigen Sie eine Weltanschauung, die zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterscheiden will?

Wir jedenfalls können Ihnen Tausende Gegenbeispiele von Menschen mit Behinderungen und ihren Eltern nennen, die ihr Leben nicht nur meistern, sondern Freude am Leben haben; ohne dabei die Schwere der Behinderungen zu verniedlichen.

Haben Sie sich, der Sie ja selbst Vater eines Sohnes mit geistiger Behinderung sind, einmal gefragt, warum Ihr Sohn noch am Leben ist? Legen wir Ihren Maßstab an, hätte er eigentlich "zum Nutzen" seiner Eltern und der Gesellschaft nie geboren werden dürfen.

Als Nobelpreisträger und Vater eines behinderten Menschen, Herr Watson, hätten wir mehr Verantwortungsbewusstsein von Ihnen erwartet. Sie müssten sich eigentlich darüber im Klaren sein, welche gefährliche Wirkung Ihre Worte auf andere haben. Sie können nicht nur zur totalen Ablehnung und Ausgrenzung schwacher, kranker und behinderter Menschen führen, sondern auch die Weichen für die Züchtung eines wie auch immer gearteten "Ideal-Menschen" stellen.

Wollen Sie das wirklich, Herr Watson?

Maren Müller-Erichsen
stellvertretende Bundesvorsitzende der Lebenshilfe
und Mutter eines erwachsenen Sohnes mit Down-Syndrom


Home  |  Suchen
letzte Aktualisierung: 13.11.2002